Lade Datum...
Nachrichten aus Treptow-Köpenick
Lokales

Treptow-Köpenick Lost Places: 12 vergessene Orte im Bezirk

Eine erzählerische Reise zu den verschwundenen, stillgelegten und überwucherten Orten in Treptow-Köpenick.

Von Sabine Fehling | 14. Juni 2026
Treptow-Köpenick Lost Places: 12 vergessene Orte im Bezirk © Andreas Steinhoff / Wikimedia Commons (Attribution)
Das stillstehende Riesenrad des Spreeparks im Plänterwald, der ikonische Lost Place von Treptow-Köpenick.

Treptow-Köpenick reicht von den Spreebögen in Schöneweide bis zu den Wäldern um den Müggelsee und ist damit der flächengrößte Bezirk Berlins. Hier verdichteten sich über ein Jahrhundert lang Elektroindustrie, Reichsbahn, DDR-Rundfunk und ein staatlicher Vergnügungspark auf engem Raum entlang des Wassers.

Als Funktionen wegfielen, blieben Hallen, Türme und Anlagen zurück, die heute überwuchert, leerstehend oder als Ruine an ihre Geschichte erinnern. Wir gehen diesen verlorenen Orten nach, ohne zum Betreten gesperrter Areale aufzurufen.

Wichtiger Hinweis: Viele der genannten Orte sind Privatgelände, militärische Liegenschaften, Bahnbetriebsflächen oder gesicherte Industriegrundstücke. Das Betreten ist verboten und gefährlich. Dieser Text ist ein historischer Rundgang aus sicherer Entfernung, keine Anleitung zum Urban Exploring.

Was dich erwartet

1. Spreepark Plänterwald

Das stillstehende Riesenrad des Spreeparks ist das Wahrzeichen des verlassenen Vergnügungsparks.
Das stillstehende Riesenrad des Spreeparks ist das Wahrzeichen des verlassenen Vergnügungsparks. Foto: Andreas Steinhoff / Wikimedia Commons (Attribution)
  • Lage: Plänterwald, am Spreeufer südlich der Stadtmitte
  • In Betrieb: 1969 bis 2002
  • Heute: Umbau zum Kunst- und Kulturpark durch Grün Berlin
  • Highlight: das stillstehende Riesenrad als Wahrzeichen

Der Spreepark wurde 1969 als VEB Kulturpark Plänterwald eröffnet und war der einzige ständige Vergnügungspark der DDR. Nach der Wende übernahm der Schausteller Norbert Witte den Betrieb, doch die Besucherzahlen brachen ein und 2002 wurde der Park geschlossen.1

Jahrelang verfiel das Gelände hinter Zäunen, das Riesenrad drehte sich im Wind und Bäume wuchsen zwischen den Fahrgeschäften. Seit 2016 entwickelt Grün Berlin das Areal zu einem Kunst- und Kulturpark, einzelne historische Elemente bleiben dabei erhalten.

2. Bärenquell-Brauerei

Die historische Fassade der Bärenquell-Brauerei an der Schnellerstraße in Niederschöneweide.
Die historische Fassade der Bärenquell-Brauerei an der Schnellerstraße in Niederschöneweide. Foto: A.Savin / Wikimedia Commons (FAL)
  • Lage: Schnellerstraße, Niederschöneweide, direkt an der Spree
  • Gegründet: 1882 als Borussia-Brauerei
  • Stillgelegt: 1994 letzte Bierproduktion
  • Heute: denkmalgeschütztes Areal in Umnutzung

Der mächtige Backsteinkomplex entstand ab 1882 und gehörte später als Bärenquell-Brauerei zu den großen Braustätten im Berliner Südosten. 1994 endete die Produktion, danach standen die rund zwölf Gebäude direkt an der Spree jahrzehntelang leer.2

Die verfallenden Hallen wurden zum bekanntesten Lost Place in Schöneweide und zum Anziehungspunkt für Fotografen. Inzwischen wird das denkmalgeschützte Areal schrittweise zu einem Standort für Gewerbe und Kultur umgebaut.

3. Funkhaus Nalepastraße

Das Funkhaus in der Nalepastraße, einst zentrales Rundfunkzentrum der DDR, im Winter.
Das Funkhaus in der Nalepastraße, einst zentrales Rundfunkzentrum der DDR, im Winter. Foto: Kazuyanagae / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
  • Lage: Nalepastraße, Oberschöneweide, am Spreeufer
  • In Betrieb: ab 1952 als Rundfunkzentrum der DDR
  • Architekt: Franz Ehrlich
  • Heute: Funkhaus Berlin, Studios und Veranstaltungsort

Auf dem ehemaligen Sperrholzwerk in der Nalepastraße entstand ab 1951 das zentrale Rundfunkzentrum der DDR, das 1952 den Betrieb aufnahm. Von hier sendeten unter anderem Radio DDR, der Berliner Rundfunk und der Jugendsender DT64.3

Mit dem Ende der DDR verlor das weitläufige Gelände seine Funktion und große Teile standen leer. Der berühmte große Sendesaal mit seiner besonderen Akustik blieb erhalten, heute dient der Komplex als Funkhaus Berlin für Studios und Kultur.

4. Behrensbau (ehemalige NAG-Automobilfabrik)

Der markante Behrensbau an der Wilhelminenhofstraße, einst Automobilfabrik der AEG.
Der markante Behrensbau an der Wilhelminenhofstraße, einst Automobilfabrik der AEG. Foto: A.Savin / Wikimedia Commons (FAL)
  • Lage: Ostendstraße Ecke Wilhelminenhofstraße, Oberschöneweide
  • Eingeweiht: 1917 nach Plänen von Peter Behrens
  • Merkmal: 70 Meter hoher Eckturm
  • Status: Industriedenkmal, teils umgenutzt

Der Behrensbau wurde mitten im Ersten Weltkrieg von Peter Behrens für die AEG entworfen und 1917 als moderne Automobilfabrik der Neuen Automobil-Gesellschaft eingeweiht. Sein quadratischer Turm prägt bis heute die Silhouette von Oberschöneweide.4

Nach dem Niedergang der Industrie standen Teile des Baus lange leer und verfielen. Das geschützte Industriedenkmal wird inzwischen wieder genutzt und gilt als Schlüsselbau der Berliner Industriekultur.

5. VEB Kühlautomat Johannisthal

Lage von VEB Kühlautomat Johannisthal im Bezirk Treptow-Köpenick (Kartenausschnitt).
Lage von VEB Kühlautomat Johannisthal im Bezirk Treptow-Köpenick (Kartenausschnitt). Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)
  • Lage: Segelfliegerdamm, Johannisthal
  • In Betrieb: 1950 bis 1996
  • Fläche: rund 21 Hektar
  • Heute: leerstehend, Entwicklung in Vorbereitung

Auf altem Fabrikgelände am Segelfliegerdamm entstand 1950 der VEB Kühlautomat, der Kompressoren und Kühltechnik für die DDR herstellte und zeitweise rund 2.500 Beschäftigte zählte. 1996 verließen die letzten Mitarbeiter das Werk.5

Seither verfallen die Hallen auf dem rund 21 Hektar großen Areal mitten in einem Parkgebiet und sind von Graffiti überzogen. Der Ort gilt als Lost Place, ein Erschließungskonzept für die künftige Nutzung ist in Vorbereitung.

6. Ehemaliges Gefängnis Köpenick

Das ehemalige Gefängnis Köpenick, heute Gedenkstätte für die Opfer der Köpenicker Blutwoche.
Das ehemalige Gefängnis Köpenick, heute Gedenkstätte für die Opfer der Köpenicker Blutwoche. Foto: Denis Barthel / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
  • Lage: Puchanstraße, Altstadt Köpenick
  • Erbaut: 1899 bis 1901
  • Geschichte: zentraler Haftort der Köpenicker Blutwoche 1933
  • Heute: Gedenkstätte und Kulturhaus

Das Amtsgerichtsgefängnis Köpenick wurde um 1900 errichtet und diente während der Köpenicker Blutwoche im Juni 1933 als zentraler Haftort, an dem die SA hunderte Menschen verschleppte und folterte. Mindestens 23 Menschen kamen dabei ums Leben.6

Später nutzte die DDR den Zellentrakt unter anderem als Kostümfundus des Fernsehens, seit den 1980er Jahren stand der Bau weitgehend leer. Heute erinnert ein Teil als Gedenkstätte an die Opfer, ein anderer dient als Kulturhaus.

7. Ehemaliges Flugfeld Johannisthal

Das Naturschutzgebiet auf dem ehemaligen Flugfeld Johannisthal, heute eine überwucherte Weite.
Das Naturschutzgebiet auf dem ehemaligen Flugfeld Johannisthal, heute eine überwucherte Weite. Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
  • Lage: Adlershof/Johannisthal
  • Eröffnet: 1909 als einer der ersten Motorflugplätze Deutschlands
  • Schutz: Naturschutzgebiet auf der alten Start- und Landebahn
  • Zugang: öffentlicher Landschaftspark mit Stegen

1909 als einer der ersten Motorflugplätze Deutschlands eröffnet, war Johannisthal in der Frühzeit der Luftfahrt ein Zentrum für Flugpioniere und Flugzeugbau. Über Jahrzehnte starteten und landeten hier Maschinen, bevor der Betrieb endete und die Fläche brachfiel.7

Auf dem alten Flugfeld entstand ein grünes Biotop, das heute als Naturschutzgebiet im Landschaftspark Johannisthal/Adlershof geschützt ist. Stege und Wege machen die einstige Start- und Landebahn als überwucherte Weite erlebbar.

8. Kabelwerk Oberspree (KWO)

Die historischen Industriebauten des Kabelwerks Oberspree an der Wilhelminenhofstraße.
Die historischen Industriebauten des Kabelwerks Oberspree an der Wilhelminenhofstraße. Foto: A.Savin / Wikimedia Commons (FAL)
  • Lage: Wilhelminenhofstraße/Ernst-Ziesel-Straße, Oberschöneweide
  • Gegründet: ab 1897 durch die AEG
  • Bedeutung: Keimzelle der Elektroindustrie in Schöneweide
  • Status: Industriedenkmal, teils umgenutzt

Mit dem Kabelwerk Oberspree begann ab Ende der 1890er Jahre der Aufstieg Schöneweides zum größten Elektroindustriegebiet Berlins. Die AEG unter Emil Rathenau prägte hier über Jahrzehnte ganze Straßenzüge mit Fabrikbauten an der Spree.8

Nach dem Ende der industriellen Großproduktion verloren viele Hallen ihre Funktion und Teile des Geländes wirken bis heute verlassen. Die geschützten Backsteinbauten werden inzwischen schrittweise für Hochschule, Gewerbe und Kultur umgenutzt.

9. Kinderheim Makarenko (Königsheide)

Ein erhaltenes Gebäude des ehemaligen Kinderheims Makarenko an der Südostallee in Johannisthal.
Ein erhaltenes Gebäude des ehemaligen Kinderheims Makarenko an der Südostallee in Johannisthal. Foto: Fridolin freudenfett (Peter Kuley) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
  • Lage: Südostallee, am Rand der Königsheide, Johannisthal
  • Eröffnet: 1953
  • Größe: mit 600 Plätzen das größte Kinderheim der DDR
  • Heute: Wohnpark, Teil mit Informationszentrum

1953 mitten in der Königsheide eröffnet, war das später nach Anton Makarenko benannte Kinderheim mit rund 600 Plätzen das größte der DDR. Zwischen 1953 und Ende der 1990er Jahre lebten hier etwa 25.000 Kinder.9

1998 wurde das Heim geschlossen, danach stand das weitläufige Gelände am Waldrand zunächst leer. Seit 2016 ist daraus ein Wohnpark geworden, ein Informations- und Begegnungszentrum hält die Geschichte des Ortes wach.

10. Verstärkeramt Wuhlheide

Lage von Verstärkeramt Wuhlheide im Bezirk Treptow-Köpenick (Kartenausschnitt).
Lage von Verstärkeramt Wuhlheide im Bezirk Treptow-Köpenick (Kartenausschnitt). Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)
  • Lage: am Bahnknoten Wuhlheide, Köpenick
  • Erbaut: Fernmeldebauten ab den 1960er Jahren
  • Frühere Nutzung: Fernmeldetechnik der Deutschen Reichsbahn
  • Status: weitgehend aufgegeben, Rückbau geplant

Am Bahnknoten Wuhlheide betrieb die Deutsche Reichsbahn Fernmeldeanlagen, darunter ein Verstärkeramt und eine Selbstanschlussanlage in Bauten aus den 1960er bis 1980er Jahren. Zuvor hatte hier eine Hundeschule der Polizei ihren Sitz.10

Um das Jahr 2000 gab die Deutsche Bahn die meisten Gebäude auf, seither verfallen sie im Grünen zwischen den Gleisanlagen. Für das Areal sind Rückbau und Renaturierung als Ausgleichsmaßnahme vorgesehen.

11. Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO)

Das Spreegebäude des ehemaligen Transformatorenwerks Oberschöneweide an der Wilhelminenhofstraße.
Das Spreegebäude des ehemaligen Transformatorenwerks Oberschöneweide an der Wilhelminenhofstraße. Foto: Bildarbeiter / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
  • Lage: Wilhelminenhofstraße, Oberschöneweide
  • In Betrieb: ab 1921
  • DDR-Zeit: VEB TRO mit rund 4.000 Beschäftigten
  • Status: Industriedenkmal, wechselvolle Nachnutzung

Das Transformatorenwerk der AEG nahm 1921 den Betrieb auf und wurde zum Weltmarktführer für Großtransformatoren. In der DDR stellte der VEB TRO mit zuletzt rund 4.000 Beschäftigten Transformatoren und Hochspannungstechnik her.11

1996 wurde das Unternehmen aufgelöst, danach folgten wechselnde Eigentümer und eine Insolvenz, Teile des Geländes verfielen. Die markanten Backstein- und Hallenbauten stehen unter Denkmalschutz und werden teils neu genutzt.

12. Eierhäuschen am Plänterwald

Das Eierhäuschen am Plänterwald im Zustand von 2012, vor der Sanierung.
Das Eierhäuschen am Plänterwald im Zustand von 2012, vor der Sanierung. Foto: Stepke87 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
  • Lage: am Spreeufer am Rand des Plänterwalds
  • Eröffnet: Ausflugslokal seit 1837
  • Verfall: nach Schließung des Spreeparks ab 2001
  • Heute: saniert und 2024 wiedereröffnet

Das Eierhäuschen war seit 1837 ein bekanntes Ausflugslokal an der Spree und wurde durch Theodor Fontanes Roman Der Stechlin berühmt. Der heutige Bau stammt von 1892 und lag direkt neben dem späteren Spreepark.12

Mit der Schließung des Parks 2001 verfiel auch das Lokal zur eingezäunten Ruine, Fenster und Türen fielen Vandalismus zum Opfer und die Terrasse verwilderte. Nach langer Sanierung wurde das denkmalgeschützte Haus 2024 wiedereröffnet.

Ausblick: Was bleibt, was verschwindet

Viele dieser Orte in Treptow-Köpenick sind im Wandel. Einige werden saniert und umgenutzt, andere überbaut, wieder andere holt sich die Natur zurück. Der Reiz des Verfalls ist meist nur eine Phase, bevor ein Ort entweder verschwindet oder ein zweites Leben beginnt.

Wer diese Spuren lesen will, hat dafür oft nur ein begrenztes Zeitfenster. Was bleibt, sind die Schichten der Geschichte unter den neuen Quartieren, eingelagert in Straßennamen, Bahndämmen, Mauerresten und einzelnen Gebäuden, die man weiterhin entziffern kann.

Newsletter
Bleib in Treptow-Köpenick auf dem Laufenden

Einmal pro Woche kostenlos die wichtigsten Nachrichten, Termine und Tipps aus Treptow-Köpenick per E-Mail. Von Treptow-Köpenickern für Treptow-Köpenicker.

Jederzeit kündbar. Mit der Anmeldung stimmst du unseren Datenschutzbestimmungen zu.

Artikel teilen
Unabhängiger Lokaljournalismus

Unterstütze Treptow-Köpenick Zeitung, damit wir weiterhin kritisch und unabhängig berichten können.

Jetzt mit 5€ unterstützen
Leserstimmen

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Kommentar schreiben

Wird nicht veröffentlicht

Kostenlose Treptow-Köpenick Woche

Nach dem Motto von Treptow-Köpenickern für Treptow-Köpenicker verschicken wir einmal pro Woche kostenlos Neuigkeiten zu Events, Aktuelles und Wissenswertes.

Jederzeit kündbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.