Wer schon mal versucht hat, im Homeoffice eine Videokonferenz aus Baumschulenweg zu führen, während die Nachbarn gleichzeitig streamen, weiß: Die Geduldsfäden im Bezirk sind oft dünner als die Kupferleitungen im Keller.1 Wer Pausen vom Bildschirm braucht, findet im Bezirk übrigens viele Parks in Treptow-Köpenick zum Durchatmen.
Damit soll jetzt Schluss sein: Treptow-Köpenick bekommt flächendeckend Glasfaser – alle Ortsteile, alle Straßenzüge, vom Plänterwald bis nach Müggelheim, sollen in den kommenden Jahren ans schnelle Netz gehen.12
Glasfaser für alle Ortsteile – was der Bezirk jetzt ankündigt
Das Bezirksamt kündigt an, dass der Glasfaserausbau künftig wirklich alle Ortsteile erreichen soll – also auch die Ecken, in denen bisher nur Schneckentempo-DSL oder wackliges Kabel verfügbar war. Zielmarke ist die Gigabit-Hauptstadt Berlin bis 2028, Treptow-Köpenick soll dabei nicht die Nachhut sein, sondern vorne mitlaufen.
Der Ausbau erfolgt schrittweise: Jahr für Jahr werden weitere Gebiete erschlossen, bis langfristig in sämtlichen Ortsteilen ein Glasfaseranschluss möglich ist. In einer angekündigten Übersicht will das Bezirksamt detailliert darstellen, wann welche Kieze an der Reihe sind, wo zuerst gebuddelt wird und wer für Nachfragen zuständig ist.
Mehrere Anbieter, ein Ziel: schnelles Netz bis ins Haus
Im Hintergrund ist der Startschuss längst gefallen: Der Infrastrukturpartner OXG beginnt im Bezirk mit dem Bau von rund 100.000 Glasfaseranschlüssen, die eigenwirtschaftlich finanziert werden.3 Insgesamt will das Unternehmen in Berlin knapp eine Milliarde Euro investieren und über 900.000 Anschlüsse errichten – Treptow-Köpenick nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein.
Parallel dazu bauen andere Anbieter kontinuierlich weiter: Die Deutsche Telekom erschließt unter anderem Alt-Treptow und Johannisthal, zusammen mit weiteren Ortsteilen wie Friedrichshagen, Grünau, Köpenick und Niederschöneweide – insgesamt profitieren im Bezirk bereits zehntausende Haushalte und Unternehmen vom Glasfaserausbau.45 DNS:NET legt in Altglienicke FTTH-Anschlüsse bis ins Haus und ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 2,5 Gbit/s.
Die Strategie dahinter: Wo der Ausbau für Unternehmen wirtschaftlich ist, investieren sie eigenständig; dort, wo es sich allein nicht lohnt, springt das Land Berlin mit Fördermitteln ein. So sollen am Ende auch bislang „weiße Flecken“ – also schlecht versorgte Adressen – einen Zugang zur Glasfaser bekommen.
Was bedeutet das konkret für Mieterinnen, Eigentümer und Nachbarschaft?
Glasfaser bis in die Wohnung oder ins Ladengeschäft bedeutet zunächst einmal Baustelle: Es wird gebohrt, gegraben und verlegt – auf der Straße, im Gehweg, auf dem Grundstück und oft auch im Haus. In der ersten Ausbauphase übernehmen die ausbauenden Unternehmen die Kosten für den Hausanschluss zumindest teilweise, genaue Konditionen variieren je nach Anbieter.
Bei Mietshäusern ist entscheidend, dass die Eigentümerinnen und Eigentümer zustimmen, damit Glasfaser ins Gebäude gelegt werden kann. Wer also zur Miete in Adlershof oder Rahnsdorf wohnt, tut gut daran, schon jetzt mit der Hausverwaltung das Thema anzusprechen – je früher die Einwilligung vorliegt, desto leichter läuft der Ausbau durch.
Ein Vorteil für Vermieter und Wohnungseigentümer: Ein Glasfaseranschluss kann den Wert einer Immobilie steigern und macht sie für zukünftige Mieterinnen und Mieter attraktiver. Gleichzeitig bleiben bestehende Anschlüsse – etwa klassisches DSL oder Kabel – laut OXG während des Ausbaus weiter nutzbar, niemand wird „abgeklemmt“, nur weil noch nicht auf Glasfaser gewechselt wurde.
Warum das Thema hier bei uns im Kiez so wichtig ist
Treptow-Köpenick wächst – und mit ihm der digitale Hunger: Homeoffice in Altglienicke, Online-Vorlesungen in Oberschöneweide, Streaming-Abende in Friedrichshagen und digitale Start-ups in Adlershof, alle brauchen stabile Verbindungen statt ruckelnder Bilder. Ein Glasfaseranschluss liefert Bandbreiten von bis zu 1 Gbit/s und mehr und sorgt für störungsarme Verbindungen – auch dann, wenn mehrere Leute gleichzeitig arbeiten, streamen oder zocken.
„Es ist mir ein besonderes Anliegen, dass die Menschen, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen in unserem Bezirk bestmöglich für die digitale Zukunft ausgestattet sind“, betont Bezirksbürgermeister Oliver Igel. Glasfaser sei die „Schlüsseltechnologie, egal ob für das Homeoffice, die Schule, moderne Dienstleistungen oder die Wirtschaft“ und Treptow-Köpenick solle „ein Bezirk bleiben, der allen ein leistungsfähiges und zukunftsfähiges Internet bietet“.
Schon heute ist der Fortschritt sichtbar: In Alt-Treptow startet der Ausbau für rund 9.000 Haushalte und Unternehmensstandorte, die künftig deutlich höhere Datenraten nutzen können. Nutzen lassen sich die Anschlüsse vielerorts bereits jetzt – allein beim Glasfaserausbau der Telekom sind im Bezirk schon über 50.000 Haushalte und Unternehmen adressiert.
Wie geht es weiter – und wo gibt es Infos für Ihren Kiez?
Das Bezirksamt kündigt an, in den kommenden Wochen ausführliche Informationen bereitzustellen: Dazu gehören Zeitpläne für die einzelnen Ortsteile, Übersichten zur Erschließungsreihenfolge und konkrete Kontaktstellen für Fragen rund um Baustellen, Hausanschlüsse und Fördermöglichkeiten. Geplant sind zudem Informationsveranstaltungen und Beratungsangebote in den Kiezen, teilweise direkt in Kooperation mit den Netzbetreibern.
Schon jetzt bieten einige Unternehmen Infomobile, Beratungstage und Online-Portale an, auf denen sich Bürgerinnen und Bürger über Ausbaugebiete, Bestellfristen und technische Details informieren können. Wer sich frühzeitig registriert oder Vorverträge abschließt, trägt oft dazu bei, dass Ausbaugebiete schneller realisiert werden – denn eine ausreichende Nachfrage ist für die Anbieter ein entscheidender Faktor.
Für uns im Bezirk bedeutet der flächendeckende Ausbau vor allem eins: Die Frage „Hast du WLAN?“ wird sich seltener auf die Verzweiflung über eine instabile Leitung beziehen – sondern zunehmend auf die Zugangsdaten zum eigenen Glasfasernetz im Wohnzimmer. Und wenn der Ausbau wie geplant vorankommt, dürfte der größte Engpass beim nächsten Videoabend in Köpenick nicht mehr die Internetleitung sein, sondern allenfalls, wer die Fernbedienung in der Hand hat.