Treptow-Köpenick zieht Konsequenzen aus den großflächigen Stromausfällen der vergangenen Monate: Der Bezirk wird bundesweit erste Pilotregion für das Projekt "Mobile Helfer", das ehrenamtliche Unterstützung im Bevölkerungsschutz strukturieren soll. Der offizielle Auftakt fand am 7. Mai 2026 mit einem Kick-off-Workshop im Rathaus statt.
Die Kooperationsvereinbarung wurde bereits im April 2026 unterzeichnet.
Hinter dem Projekt stehen die Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe (BAGEH) als Träger und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) als Geldgeber.
Was die "Mobilen Helfer" leisten sollen
Im Kern geht es darum, Freiwillige nicht erst im Krisenfall zu suchen, sondern vorab zu registrieren, zu qualifizieren und zu koordinieren.
Dazu kombiniert das Projekt eine App, ein digitales Lernportal und ein zentrales Verwaltungsmodul für die Einsatzleitung.
Helfer können je nach Qualifikation für unterschiedliche Aufgaben eingeteilt werden, vom Pflegebesuch bei isolierten Senioren bis zum Mithilfe in Notunterkünften.
Die laufende Nachsorge und Weiterbildung gehört ebenfalls zum Konzept.
Warum gerade Treptow-Köpenick
Der Südosten Berlins war im September 2025 von einem der längsten Blackouts der Stadtgeschichte betroffen.
Damals waren Teile von Köpenick, Adlershof und Schöneweide bis zu 50 Stunden ohne Strom, Pflegeheime und Geflüchtetenunterkünfte mussten teilweise notversorgt werden.
Im Januar 2026 folgte ein zweiter, kürzerer Ausfall im Südwesten der Stadt.
Beide Ereignisse zeigten, wie schnell die regulären Strukturen an ihre Grenzen kommen.1
"Hilfsbereitschaft sicher und koordiniert einsetzen"
Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) hebt die Bedeutung des Programms hervor.
In jeder Krise zeige sich, dass Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung vorhanden sei, so der Bürgermeister.
Entscheidend sei, diese Bereitschaft sicher, wirksam und koordiniert einzusetzen.
Genau das leiste das neue Konzept.
Wer das Projekt leitet
Projektleiter ist Ralf Sick von der BAGEH, das Projektmanagement übernimmt Ariane Kromat.
Beide arbeiten eng mit dem Krisenstab des Bezirksamts und der Berliner Feuerwehr zusammen.
Auch Hilfsorganisationen wie das DRK und die Johanniter sind eingebunden.
Die Pilotphase ist auf zunächst 24 Monate angelegt.
Wie Anwohner mitmachen können
Interessierte können sich ab Sommer 2026 über die App registrieren, ein Vorab-Interessensformular ist bereits auf den Seiten des Bezirksamts verfügbar.
Vorkenntnisse sind nicht zwingend, jeder bringt aber idealerweise eine Stärke mit, etwa medizinische Erfahrung, Sprachkenntnisse oder Logistik-Know-how.
Die Qualifizierung läuft modular und kostenlos, ein Mindestaufwand ist nicht festgelegt.
Wer den Bezirk insgesamt besser kennenlernen möchte, findet in unserem Überblick zu den schönsten Parks in Treptow-Köpenick Orientierung.
Was nach den 24 Monaten passiert
Nach Abschluss der Pilotphase soll das Modell auf andere Berliner Bezirke ausgerollt werden.
Auch Kommunen außerhalb Berlins haben bereits Interesse angemeldet, darunter Potsdam und Brandenburg an der Havel.
Sollte das System sich bewähren, könnte es bundesweit als Standard für die Einbindung Freiwilliger im Katastrophenfall dienen.